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Diagnose Melancholie. Seit sie denken kann, ist Musik ein ständiger Begleiter im Leben von Susan Wolf, und schon immer hat sie ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse am liebsten als Liedtext zu Papier gebracht. Doch dass alles so gekommen ist, wie es wohl kommen musste, hat einen Namen, der von vielen Menschen vor allem mit Schmerz und Entbehrung in Verbindung gebracht wird: Multiple Sklerose. Als Susan Wolf vor einigen Jahren vor die endgültige Entscheidung gestellt wurde, mit dieser Diagnose leben lernen zu müssen, entschloss sie sich gegen ihr Studium und für die Musik. In dieser Zeit entstand ihr erster Album Excuse Me Mr., welches schon damals von der Melancholie des Lebens gezeichnet war.

Sprung ins Wasser. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und eines ihrer ersten Konzerte spielte Susan Wolf auf der großen Hauptbühne des Wiener Stadtfestes. Dieser Event war für die junge Künstlerin in mehrerer Hinsicht prägend, zumal sie bei dieser Großveranstaltung auf ihr späteres Management sowie ihr aktuelles Produzententeam traf, die gleichermaßen von ihrer Stimme, ihrem Stil und ihrem künstlerischen Ausdruck begeistert waren. Die nächsten Abschnitte in Wolfs Leben fügten sich wie Perlen an eine Kette: Die erste CD wurde professionell nachproduziert. Es folgten Tourneen mit der erfolgreichen, britisch-georgischen Künstlerin Katie Melua sowie mit Mick Hucknall von Simply Red, mit dem Wolf in eleganten, renommierten Opernhäusern Europas auftrat. Als Gastkünstlerin, wie vor ihrer Zeit schon PJ Harvey oder John Parish, begleitete Susan die US-amerikanische Legende Giant Sand (eine Formation um Howe Gelb aus Tuscon, Arizona) auf deren Tournee durch Italien. In New York experimentierte Susan unter anderem mit Produzenten wie Kevin Bents, den man durch seine Arbeit mit Marius Müller Westernhagen kennt. In Hamburg bezauberte Susan Wolf ihre Zuhörer auf Konzerten zusammen mit Größen wie Peter Maffay.

Abkehr vom Lebenselixier. Ihren Lebensumständen und ihrer Familie zuliebe distanzierte sich die Künstlerin allerdings schließlich von der Musik. Die eigene Gitarre wurde verkauft und ihre Darbietungen beschränkte Wolf auf regelmäßige Auftritte mit Jazzklassikern in Hotellbars. Bis sie eines Tages wieder eine jener Begegnungen hatte, die der Künstlerin wohl schicksalhaft an diesen Kreuzwegen des Lebens vorbestimmt sind: Ein Gast sah und hörte die Sängerin bei einem ihrer Auftritte in der Hotellobby und fragte sie, warum sie hier auf dieser kleinen Bühne spiele, sie gehöre doch auf eine große. Als sie ihm daraufhin ihre Geschichte erzählte, die von der Krankheit, der Sorge um ihre Familie und Existenzängsten geprägt war, kaufte er ihr eine Gitarre als Zeichen, dass sie sich wieder ihrer Musik widmen solle. Diese Begegnung löste ein Erwachen aus und entfachte das Bewusstsein in ihr darüber, wie sehr ihr die Musik fehlte. Sie erkannte, dass ein Leben ohne Kreativität ihren allgemeinen Gesundheitszustand verschlimmerte. Bis zu dieser Begegnung hatte Wolf zwar bemerkt, dass sie litt, doch woher genau dieses Leiden herrührte, hatte sie bis dahin nicht erkannt.

Zeit des Erwachens. Wahrlich ein Befreiungsschlag war es für die Sängerin, als sie sich nach den langen Jahren der musikalischen Abstinenz wieder bewusst dazu entschied, ihren eigenen Rufen zu folgen und zur Musik zurückzukehren. Sie veränderte ihre Lebensumständen, beendete ihr begonnenes Germanistik- und Anglistikstudium und erfüllte sich parallel dazu den lang ersehnten Traum nach Dänemark zu reisen. Dort schrieb sie die Songs, welche nun auf dem aktuellen Album zu hören sind. Im fernen Norden warteten auch die Produzenten, das Aufnahmestudio, die Fotografen sowie das Filmteam auf sie, um mit ihr gemeinsam ein Album zu produzieren, das Susan Wolf schon während dessen Entstehungsprozess als ihr eigentliches Debütalbum erkannte. Nach all den Wirrungen, Stillständen und Rückschlägen der vergangenen Jahre hat sie heute ihren Stil gefunden. Definierter, runder und mit einer nordischen Festigkeit ausgestattet sind die Lieder der Susan Wolf heute dort angekommen, wo sie schon so lange erwartet werden.